Scrumiges and not so scrumiges

Hi,

ich würde gerne einen Austausch starten dazu, wie sich Umwelt-/Digitalbewegungen mit transformativem Selbstverständnis (also Menschen, in ihren Projekten oder einzeln, neu interessiert oder schon lange im Kontext) dezentral aber effektiv strukturieren lassen.

In Anlehnung an agile Softwareentwicklungskonzepte z.B. oder ganz anders, jedenfalls so, dass gemeinsames Momentum stärker wird, auch wenn es im einzelnen Differenzen über bestimmte Dinge geben mag, offen für neue Leute und Projekte, aber powerful, gut sortiert und mit impact im Detail.

Anybody interested?

Gruß
Nana

Hey nana - falls du zum Congress gehst, würde sich eventuell eine self organized session anbieten.
Ich wär gern dabei! :slight_smile:

Interessantes Thema. Ich habe auch das Gefühl, dass viele Bewegungen keine effektiven/effizienten Methoden nutzen, die in der (agilen) Softwareentwicklung schon lange Best Practice sind.
Bin leider beim CCC diesmal nicht dabei…

Meine Wahrnehmungen beruhen rein auf persönlichen Erfahrungen in beiden Szenen, aber ich bin in beiden schon sehr lange (>25 Jahre), sicher nicht objektiv aber, naja, auch nicht out of the blue oder rein akademisch:

1/
Es gibt sehr wenig Kenntnisse über agile Methoden in Umweltszenen. Wer auch immer hier widersprechen kann und sagen kann: nein, das ist quatsch, ich kenne Projekt A, B oder Kontext C, da gibts da einen guten Wissensstand und Austausch: Bitte sagen!! Würd mich mega interessieren.

2/
Es gibt gleichzeitig aber verschiedene Beispiele aus dem Umweltkontext, die sehr gut organisiert sind in dem Sinne, dass sie quasi oder ganz selbstorganisiert laufen - und das oft mit ser wenig/gar keinem Geld UND im Rahmen von Aktivitäten, die durchaus unter Druck funktionieren müssen und wo für den Einzelnen ganz schön was auf dem Spiel stehen kann (abgesehen von der Sache, um die es geht).

3/
Ich habe noch nirgends sonst eine derart auf Augenhöhe Kommunikation in Projekten erlebt wie im Hacker/Freie Software Umfeld. Und aus meiner Sicht schwappen Dinge, die man sich vorstellt, ausdenkt, ausprobiert und entwickelt für den Code/die Software, die man schreibt, über auf wie solche Projekte strukturiert sind.

4/
Scrum als Beispiel ist ja zunächst mal ein Konzept, das durchaus für die corporate Welt entstanden ist. Ich hab gar nicht so viel Ahnung von der Corporate Welt - die Zielsetzungen dort sind andere, als sie mich interessieren/ich sie wichtig finde für diesen Kontext hier, z.B. an welcher Stelle ökonomischer Profit steht, auf welchem Hintergrund priorisiert wird oder in welcher Form politische Arbeit/Überlegungen einfließen u.a. auch in Design Entscheidungen. Nur als Beispiele.
Aber: die in der corporate Welt sind ja auch nicht komplett ahnungslos. Vielleicht kann man da auch was lernen von get-things-done, agile und neat.

1 Like

Bin nicht am Kongress dieses Jahr.

Aber sprechen/schreiben gerne hier - gerne auch über Silvester hinaus.

Wir z.B. haben Besuch zwischen den Jahren, ich will gar nicht dauernd am Rechner sitzen - würde es befürworten, wenn Antworten auch mit paar Tagen Abstand noch gelten und freue mich über Antworten, auch wenn sie erst nach ein-zwei Wochen oder wann kommen…

Lieben Gruß
N

Ich finde deine Gedankenanstöße hier sehr spannend und hinterlasse mal eine Antwort um den Gesprächsfaden hier wieder zu beleben :wink:

Ich betreibe mein Engagement bei Bits & Bäume etc lediglich ehrenamtlich, im Sinne von nicht Vollzeit. Wäre interessant zu diskutieren wie agile Methoden wie Scrum in diesem Kontext anwendbar sind. Ich habe selbst allerdings bisher nur sehr wenig Erfahrung mit Scrum und anderen Methoden.

Danke.
Für mich ist die Herausforderung, dass wir einerseits flexible und anpassbare Strukturen brauchen (also jetzt mal bezogen auf die „Bewegungen der Veränderung“), welche, die schnell auf sich ändernde Gegebenheiten reagieren können, dabei aber - ganz wichtig - offen bleiben für Crossthematiken, also auch Leute und Projekte aus anderen Themenbereichen,
aber andererseits auf den Punkt effektiv sein sollten in ihrem impact, und zwar unter Zeitdruck und gegen alle möglichen Kräfte, die ihre eigene (nichtnachhaltige oder nur vorgeschoben nachhaltige( Agenda fahren oder einfach weil die Umstände träge, verhärtet und ungünstig sind.

Dabei finden alle Aktivitäten für Veränderung (ich nenn das jetzt mal einfach pauschal so) in einer allgemeinen Konstellation der Bewegungen (also die Gruppen und Projekte, die irgendwie mindestens bis zu einer gewissen Detailtiefe einig an einem Strang ziehen) statt, in der es keine einheitliche Gesamtorganisation gibt, keine Instanz, die für alle anderen entscheidet oder an die offene Entscheidungen abgegeben werden können, es ist und wird und soll aus meiner Sicht unbedingt dezentral bleiben.
Es gibt in dem Sinne keinen „Kunden“, für den ein „Produkt“ entwickelt wird.
Insofern unterscheidet sich das sehr von einer herkömmlichen Scrumsituation im Wirtschaftskontext.

Dennoch. Wir sind ja nicht nur irgendwie oder zufällig auf derselben „Reise“. Guckt man sich die Forderungskataloge an, die in verschiedensten Gruppen erstellt werden, sieht man schnell, wie sehr sie sich ähneln und die, die sich abheben - naja in vielen Fällen sind das grade die, die es eben dann doch nicht ernst meinen, wo eigentlich nur green-washing Marketingformulierungen zusammengestellt sind.

Das zumindest fällt mir auf, ein Unterschied zu noch vor ein paar Jahren: ich finde es ist inzwischen viel viel deutlicher, wer wirklich am dem einen Strang zieht, der der sagt: es braucht nicht noch mehr blabla. Und: wir brauchen grundsätzliche shifts in defaults. Und: „Lösungen“ von denen, die die Misere verursacht haben und von ihr profitiert haben ökonomisch und machtmäßig, sind es wohl nicht.

Ein sehr gutes Gefühl, früher war das nicht so, da kam mir alles viel fragmentierter vor. Und Inhalte waren schwieriger einzuordnen.

Und was mir auch auffällt: die ganze „Bewegungsszene“ ist - jedenfalls aus meiner Wahrnehmung - offener geworden, also wenn Leute neu dazukommen, sei es aus anderen Bereichen oder insgesamt neu ins Thema, ist es einfacher, sich reinzufinden.
Und auch das finde ich eine mega gute Entwicklung.

Soweit erstmal.
Gruß