Freie ODbL-Lizenz für den Datenaustausch in der Nachhaltigkeitsbewegung?

Unter welcher Lizenz wollen wir in der zivilgesellschaftlichen Nachhaltigkeitsbewegung Daten austauschen? Sollen Daten allen gehören, wollen wir sie als Commons gemeinsam nutzen? Oder brauchen wir proprietäre Lizenzen, die auch den Verkauf von Daten und damit Geschäftsmodell zulassen?

Seit 2014 wird diese Frage im großen Stil diskutiert, besonders im Umkreis von Kartierungsprojekten wie unserer Karte von morgen und dieses Jahr wollen wir darüber auf der Bits&Bäume Konferenz Anfang Oktober in der TU-Berlin diskutieren [Beitrag], da wir wesentliche Weiterentwicklungen im Bezug auf Schnittstellen planen.

https://www.kartevonmorgen.org/

Der Datenaustausch zwischen Kartenprojekten spart allen Arbeit, die aktuell zum Großteil von Ehrenamtlichen gemacht wird und die Aktualität der Einträge kann so mehr gewährleistet werden. Die OpenStreetMap (Osm.org) nutzt seit einigen Jahren die OpenDatabaseLicence (ODbL) und setzt damit als größte Datenbank gewisse Standards.

Dabei ist grundsätzlich zu unterscheiden, ob man Einträge nur lesen und anzeigen möchte (einfach) oder ob man eine eigene Datensammlung generiert, kuratiert etc.:

Read-Only
As long as we have a read-only System, that just aggregates data, and does not compare, merge or redistribute them, (like Transiscope does so far https://transiscope.org/alternatives-web-portal/) each platform can define their own licence under which the data can be used. Minimum licence is CC BY-ND (Creative commons -NoDerivatives)

There is just the problem, that you might get a lot of duplicates, if the same entry exist on different platforms (and this happens quite soon, as role-model entries are on many maps). And for editing one entry, you have to register or notify the owner-plattform(s).

Merging and Editing
If you want to avoid duplicates, you have to merge several entries and aggregate all information into a final one. This is only possible, if all entries are CC0 (Creative-Commons whithout limitation) or ODbL (Creative-Commons share alike).
You can not compare and merge those entries with a „read-only“ licenced entry, as the result will always be a modified, improved information of this. When ever you use a „derivative work of the Database“ you have to relicense it again in the same licence (that means share alike).

Aktuelle Fälle
Deutschlandweit gibt es, abgesehen von der OSM, noch hunderte Kartenprojekte für Nachhaltigkeit, mit denen die Karte von morgen Daten austauschen möchte. Mit manchen wurden bereits Gespräche geführt.

  • Die wechange-Plattform für online-Zusammenarbeit möchte alle öffentlichen Inhalte offen teilen und hat dazu schon technische Konzepte formuliert, die lediglich an der Finanzierung scheitern.
  • Das neue Portal des deutschen Nachhaltigkeitsrates „Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit“ hat sich grundsätzlich dazu verpflichtet, nicht nur eine offene Schnittstelle unter ODbL zur Verfügung zu stellen, sondern auch an einem Austausch- und Duplletenmerge-Tool zu arbeiten.
  • Die Stadtwandler (Freiburg/ Bonn) waren lange Zeit Unterstützer für offene Lizenzen, sehen aber seit 2021 ihr Geschäftsmodell gefährdet und sehen sich von der Creativ-Commons Bewegung bedroht. (Achtung: Sie haben viele falsche Behauptungen über die Lizenzen der Karte von morgen verbreitet)
  • Future Maps (https://future.coop/), eine Karte mit Orten für nachhaltigen Konsum und Konsumvermeidung wird als Genossenschaft organisiert und möchte sich langfristig durch eigene Erlöseinnahmen tragen. Neben der Sammlung „öffentlicher“ Daten generiert Future Maps auch selbst Daten wie Beschreibungstexte, Bilder oder Nachhaltigkeitsinformationen zu Orten. Die Frage der Lizenzierung ist dabei noch offen. Future Maps sieht sowohl Potential in einer Open Source Strategie, als auch in der Entwicklung proprietärer Daten-Services für nachhaltige Unternehmenskunden und zur Finanzierung der Future Maps Entwicklung. Hier wird es spannend, ob es rechtlich und technisch möglich ist, zweigleisig zu fahren und commons als auch proprietäre Daten paralle zu nutzen.

Fragen:

  • Was möchten wir als Wandelbewegung?
  • Können uns proprietäre Geschäftsmodelle helfen, aus der Ehrenamtsfalle zu kommen?
    • Gibt es überhaupt erfolgreiche Beispiele, wo Initiativen durch Datenverkauf ihre Arbeit finanzieren konnten?
    • Gibt es alternative Geschäftsmodelle oder sollte dies eine staatliche Aufgabe sein (ähnliche dem Straßenbau)
  • Was sind die wichtigsten Kartenplattformen (außer OSM und Karte von morgen) die mit Schnittstellen verbunden sein müssten?
    • Brauchen Plattformen wie die Karte von morgen ggf. zwei Datenbanken, eine für Proprietäre Daten, die nur Angezeigt aber nicht verarbeitet werden und eine mit offenen Daten, welche auch verbessert und runtergeladen werden können?

und zu guter Letzt natürlich die Frage,

  • Wie kann solch ein Schnittstellen-System aussehen?
    • Brauchen wir zentrale Hubs zum austauschen, vergleichen und mergen?
    • Läuft das über Push- oder Pull-Systeme?
    • Starten wir lieber schnell oder warten wir auf die Perfekte Anbindung an das Fediverse?
    • Wer kann daran mitentwickeln?
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Hast du/ihr eingereicht für #bitsundbaeume22 BuB „Call for Papers“ https://bits-und-baeume.org/konferenz/de ?

Ganz nett gemeint von mir. :upside_down_face:

Ja genau https://pretalx.com/bitsundbaeume/talk/review/EHB3XP3LAZ7YBMNHB9N387JVJKS8KHSX
Und unser Beitrag wurde angenommen

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Lieber Helmut,

danke, dass du das Thema Freie Lizenzen hier einbringst. Schade jedoch, dass du im gleichen Atemzug unwahre Behauptungen* über Stadtwandler in die Welt setzt (dazu unten mehr).

Zunächst zum Inhaltlichen: Im ersten Absatz behauptest du, dass entweder Daten allen gehören, und diese dann gemeinsam genutzt werden können ODER, dass es proprietäre Ansätze gibt, die Geschäftsmodelle zulassen. Das stimmt jedoch nicht. Es gib jedoch etliche Beispiele, wo offene Lizenzen zu spannenden Geschäftsmodellen führen. Und diese Geschäftsmodelle brauchen wir ganz dringend um unsere Wandel-Arbeit professionalisieren zu können. Schau dir nur die ganze Freie Software Bewegung an, dort ist das Gang und Gäbe.

Ich halte es auch nicht für zielführend im ersten Schritt nach der „besten“ Lizenz zu fragen. Lizenzen gibt es wie Sand an mehr. Viel spannender ist doch, wie wir es vielen Akteuren ermöglichen, gut ihre Arbeit erledigen zu können, d.h. sich zu professionalisieren und Geschäftsfelder erschließen zu können. Wenn wir davon eine gemeinsame Vorstellung entwickelt haben, können wir über Lizenzen reden. Und ja: Wir sind für größtmögliche Offenheit, gleichzeitg müssen die Interessen der Akteure gewahrt bleiben, sodass sie gut ihre Arbeit machen können.

Eine Annährung an diesen Themenkomplex findet ihr unter: Warum Daten-Sync ein roter Hering ist | StadtWandler.org

Dort skizzieren wir auch einen Ansatz, wie Daten sinnvoll gepflegt UND geteilt werden können. Wir sehen das als Impuls für eine Diskussion und nicht als ausgereiftes Konzept.

*Nun zu deinen Behauptungen über StadtWandler:

Das wir uns von „der Creativ-Commons Bewegung bedroht“ sehen ist schlichtweg eine falsche Behauptung. Wie oben beschrieben sind wir Fans offener Lizenzen. Wir sind beispielsweise auch stark im Freie Software Ökosystem Drupal engagiert [Link]. Auch unsere eigene Distribution Hubs4Change ist frei lizensiert.

Unser Geschäftsmodell sehen wir lediglich von dem Verhalten von Karte von morgen bedroht. Und das haben wir ausführlich dokumentiert:

PS: @Helmutvonmorgen Bitte korrigiere doch noch den Link auf stadtwandler.org. Er führt momentan zum Gemeinschaftswerk. Stadtwandler gibts übrigens nur in Freiburg, nicht in Bonn.

PS2: @Helmutvonmorgen Bitte teile uns doch mit, welche Behauptungen falsch sind und begründe dies. Wir korrigieren diese dann natürlich. Bisher konnten wir trotz deiner Emails keinen Fehler entdecken.

Absolut. Ich persönlich glaube auch, dass es genug Möglichkeiten für dienstleistungsorientierte Geschäftsmodelle gibt, die mit offenen Daten genauso oder sogar besser funktionieren. Der reine Datenverkauf im lukrativem Stil ist natürlich schwieriger, wenn jeder alle Daten über offene Schnittstellen abgreifen darf. Damit gehe ich auf Argumente möglicher Commons-Gegner ein.

Am Ende sind die Lizenzen nunmal die rechtlich verbindliche Ebene. Solange wir closed source sind, können wir uns natürlich beliebig untereinander einigen und das auch jeder Zeit anpassen. Sobald wir aber offene Daten haben, kann jeder andere kommen und die Daten noch nutzerfreundlicher aufarbeiten und erfolgreicher Promoten. Was wir dann untereinander vereinbart haben, kann schnell unrelevant werden.
Aber ja, natürlich sollten wir uns auch auf eine gemeinsame Vorstellung einigen und ich bin sehr gespannt auf Ideen dazu.

Eure Einschätzung der Unmöglichkeit bzw. der Ablehnung von Syncronisationstools teile ich zwar nicht, geben aber vollkommen zu, dass dies richtig aufwendig ist und Geld kostet.

Eure Idee, zu jedem Eintrag eine möglichst aktuelle und verlässliche Quelle zu finden, z.B. einen Prüfverband, finde ich aber richtig. So simple ist das in der Praxis aber auch nicht, wenn ein Unternehmen z.B. bei Bioland und Demeter gleichzeitig ist.
Letztlich läuft das in meinen Augen darauf hinaus, dass wir auch Quellen ranken müssen. Wobei schnittstellen so gebaut sein müssen, dass jede Plattform selbst entscheidet, welcher Quelle sie prioritär vertraut und aus welcher sie niemals updates holt.

Nun zu euren falschen Behauptungen:

Ihr schreibt da

Nach jahrelanger erfolgloser Kommunikation mit den Verantwortlichen der Kartevonmorgen (Kvm), sehen wir uns gezwungen, diese Kritik öffentlich zu äußern.

Das ist schlichtweg falsch. Noch 2020 habt ihr einen Letter of Intent für genau das Projekt geschickt, das ihr in dem Artikel kritisiert. (was ihr im Absatz darauf ja auch schreibt) Paar Jahre zuvor haben wir gemeinsam einen Antrag beim Prototype-Fund gestellt. Ernsthafte Bemühungen eurerseits, euch mit möglicher Kritik an unser Team zu wenden, gab es vor eurem Artikel keine.

Kvm setzte StadtWandler außerdem in Kenntnis, dass Kvm für das Förderprojekt eine andere Freiburger Organisation für die Redaktion beauftragen will.

Wir haben euch und der Regionalgruppe der Gemeinwohlökonomie in Freiburg per Mail aufgefordert, gemeinsame Kooperationsgespräche zu führen und nach sinnvollen Strategien für Freiburg zu suchen. (so wie wir in den Jahren zuvor immer wieder Redakteuere und lokale Aktivistinnen zu euch geschickt haben um euch bei eurer Karte zu helfen, statt auf unserer in Freiburg zu kartieren!) Die GWÖ-Regionalgruppe hat vergeblich versucht, mit euch konstruktiv darüber zu sprechen. Wir beauftragen sowieso niemanden und es war sowieso zweifelhaft, ob für Freiburg eine sinnvolle Strategie entsteht. Die GWÖ hatte gute Argumente, dass es Zielgruppen in Freiburg gibt, die ihr bisher nur schlecht erreicht. Da gäbe es ein Potential. Und übrigens wäre uns erstmal total egal, ob ihr dazu eure Plattform oder die kvm primär verwendet, sofern wir Daten eben austauschen können.

Die Nutzung der Kvm Daten ist jedoch nur unter bestimmten Bedingungen möglich. Denn die Regioportale haben gar nicht mehr das primäre Nutzungsrecht, geschweige denn Einfluss darauf, wer die Daten sonst noch nutzen darf. Darüber verfügt allein Kvm bzw. lässt sich alle Rechte übertragen. (…).

Wir haben eine ganz normale ODbL-Lizenz, außer in den Fällen, wo wir Anonyme Daten bekommen, deren Ersteller wir nicht kennen oder erreichen können und weshalb wir sie in CC0 einfordern. Das Primäre Nutzungsrecht bleibt auch bei ODbL Lizenzen immer beim ersteller. D.h. selbst wenn ihr sie per ODbL in den großen Datenpool gibt, könnt ihr eure Daten weiterhin verkaufen oder unter anderen Lizenzen veröffentlichen.
Ja, sobald ihr sie unter einer bestimmten Lizenz veröffentlicht habt, habt weder ihr, noch wir noch sonst wer Einfluss darauf, wie sie verwendet werden. Das wird also ein Commons, darüber verfügen wir eben genauso wenig. Deswegen können wir euch auch nicht irgendeine Verwendungseinschränkung garantieren, die über die ODbL-Regeln hinaus gehen.

Was ihr über uns schreibt, ist einfach falsch und was ihr über Lizenzen schreibt, zeigt in meinen Augen nur, dass ihr euch nicht so richtig damit beschäftigt habt.

Hier werden Weichenstellungen bis weit in die Zukunft getroffen. Denn die Übertragung der Reche an die Kvm ist irreversibel.

So ein verzerrter Satz… Ja, Daten die ihr einmal unter ODbL veröffentlicht habt, könnt ihr nicht nachträglich wieder zurückfordern. Hat nichts mit Kvm zu tun!!! Das solltet ihr in all euren Artikeln einmal gerade ziehen.

Euer Wunsch nach Dezentralität mit hunderten regionalen Plattformen ist nachvollziebar, für euren Wunsch nach Sichtbarkeit und lokaler Finanzierung. Aber letztlich ist das absolut Nutzerunfreundlich, schwer zu promoten und alle lokalen Akteure waren in den letzten Jahren damit von einem lokalen Monopolisten abhängig. Dabei habt ihr in den letzten 5 Jahren es weder geschafft, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, noch alle lokalen Initiativen zufriende zu stellen.
Am Ende bietet ein kooperatives Vorgehen mit Datenaustausch in meinen Augen die Möglichkeit, dass jeder Nutzer die Plattform wählen kann, die konkret seinem Fall am besten hilft, bzw. die er kennt. Jemand in Leipzig, der Stadtwandler kennt, könnte dort dann genauso mit eurer Karte arbeiten…

Ihr schreibt unter https://www.stadtwandler.org/de/articles/beraubt-regioportale-nicht-warum-kvm-klimafit-schadet

  • Geben StadtWandler ihre Daten an Kvm, gibt es 2 Stellen, wo die Einträge bearbeitet werden. Ein Abgleich ist dann nur noch mit hohem Arbeitsaufwand möglich. (…)
  • Geben StadtWandler ihre Daten an Kvm, hat Kvm die ausschließlichen Rechte an allen Daten und kann StadtWandler jederzeit selbst oder über Partner konkurrieren (…).
  • Geben StadtWandler ihre Daten nicht an Kvm, soll laut Kvm eine andere Freiburger Initiative mit öffentlichen Geldern beauftragt werden, die Kvm Datenbank zu füllen, und (…) in Konkurrenz um Reichweite und regionale Förderer zu StadtWandler treten.

Ihr wünscht euch ein Monopol, eine Situation, die ihr der kvm fälschlich vorwirft…
Gesellschaftlich sehe ich derartige Ortsdaten ähnliche relevant für die Transformation wie Straßen und Schienen für die Industrie und da gibt es 3 Optionen:

    1. Wenn ein Regionalportale nicht bereit ist, Daten zu teilen, muss es mindestens 2 besser 10 Konkurrenten geben, die nochmal die selben Daten erheben, um sicher zu stellen, dass es keine Monopole gibt. (Wenn die A5 also privat wäre, müsste es mehrere Autobahnen durchs Rheintal geben, um Monopolisten-Mautgebühren zu verhindern. Was für ein Irrsinn!!!)
    1. Wenn der Staat das Datenmonopol mit Steuermitteln baut und es kostenlos den Nutzern anbietet (wie aktuell die Straßen) reicht ein Datenmonopol, weil es unter demokratischer Kontrolle steht. Nachteil: Es kann keine Innovation geben. Es wird scheitern und nutzerfeindlich sien, wie aktuelle die Digitalisierung. (Bei euch haben aber lokale Initiativen wie die GWÖ oder das Haus des Engagements offenbar keine Mitgestaltungsmöglichkeiten.)
    1. Wenn Daten (und bestenfalls auch die Software) Commons sind, verbinden sich viele Vorteile, man braucht alles nur einmal kartieren und spart sich mehrfache Arbeit aber trotzdem kann es eine Systemkonkurrenz zwischen der Anwenderfreundlichesten Plattform geben. Digitale Interfaces sind leider nicht so simple, wie eine Autobahn, wo man nur gerade aus fahren muss. Eure Karte kann einfach nicht alle Nutzer zufrieden stellen, genauso wenig wie unsere.

Meine Frage ist daher,

  • A. kämpft ihr gegen Creative-Commons-Daten,
  • B. oder speziell gegen uns als Kvm, wo man alle Daten sehen und ggf. aktualisieren kann?

Gäbe es also keine kvm aber ODbL-Daten wäre es nur eine Frage der Zeit, bis es eine ähnliche nutzerfreundliche Plattform gibt, die alle Daten anzeigbar und aktualisierbar macht. Weil das durchsuchen von 200 anderen Karten oder die Registrierung von 200 verschieden System zum Datenupdate einfach Nutzerunfreundlich wäre.

Und was ich schade fände wäre, wenn sich die Wandelbewegung nur aus Existenzängsten auf ein nutzerunfreundliches System einigen würde. Dafür ist die Transformation zu wichtig, dass alle Menschen mitmachen!

Transiscope.org ist natürlich ein super Beispiel aus Frankreich, dass immerhin Daten von vielen Plattformen aggregiert, zwischenzeitlich sogar auch mal kvm Daten. Aus Gründen des hohen technischen Aufwandes haben sie bisher noch keine beidseitige Synchronisation geschaffen, genau daran haben sie aber Interesse und deswegen arbeiten auch sie an dieser allumfassenden Synchronisationsschnittstelle mit (auf basis von Linked open Data / activity Pub). Wer mitarbeiten möchte, tritt bitte diesem Projekt bei:

Ganz so gleichberechtigt ist das aber auch nicht, weil die allermeisten Daten über https://presdecheznous.fr importiert werden. D.h. auch in Frankreich gibt es gewissermaßen einen Standardplattform, die sich etabliert hat. Der große Nachteil an Transiscope.org sind zum einen die Dupletten, die automatisch auftauchen, wenn Einträge in zwei Datenbanken stehen und dass veraltete Plattformen brach liegen und falsches nicht mehr löschen. Und zum Anderen, wenn Dupletten gemerged werden, weiß ich als Nutzer im Zweifelsfall immer noch nicht, auf welcher Plattform ich welchen Teil des Eintrags bearbeiten muss, damit genau auf dieser Plattform die Änderung sichtbar wird. Bspw. wenn Ihr einen Eintrag von uns importiert habt, aber Updates von unserer Plattform nur dann importiert, wenn sie von zertifizierten Nutzern kommen oder der Eintrag auf eurer Seite noch nie bearbeitet wurde, bringt es nichts, wenn ihr einen Nutzer zum Bearbeiten an die kvm weiter leitet.

Die kvm verpflichtet damit alle, die sie nutzen wollen, Kvm als Datenquelle anzugeben - nicht die eigentlichen Anbieter. Und sie kann diese Bedingungen jederzeit ändern. D.h. wer auf Kvm sichtbar sein will, muss alle Rechte an seinen Daten abgeben.

Diesen Passus der Copyrights haben wir von der OpenStreetMap übernommen. Dadurch dass wir aktuell noch keine wesentlichen Daten importieren, gibt es aktuell auch keinen Bedarf das zu ändern und wir haben euch auch schon öfter Vorschläge gemacht, telefonisch als auch per Mail, wie das in Zukunft aussehen kann:

  1. Die einfachste Möglichkeit, die Quellen zu zeigen, wäre, alle Datenspender auf einer Übersichtseite auf zu listen. Damit wäre aber leider nicht erkennbar, welche Eintragsversion genau von der jeweiligen Quelle kommt.
  2. Wir haben in der kvm eine Endlos-Historie. Jede Bearbeitung und jeder Importierte Datensatz wird darin (aus Datenschutzrechtlichen Gründen nur für Admins, falls die Version personenbezogen Daten enthält) mit Quelle sichtbar werden. Damit erfüllen wir vielleicht eure Erwartungen, wir können aber leider von anderen (ehrenamtlichen, kleinen) Portalen, alle 50 Quellen auf zu listen, aus denen sich der Eintrag zusammensetzt. In der Art, wie hier dann zitiert wird, gibt es also eine gewisse Grauzone.
  3. Von alle Plattformen zu verlangen, bspw. im Footer der Einträge sämtliche Datenquellen zu nennen, halte ich ebenfalls nicht für zielführend. Gerade auf dem Smartphone reicht dazu der Platz nicht und den Programmieraufwand würde ich ungern jedem Partner aufbürden.

Ich hoffe die Komplexität ist klar geworden. Wäre toll, wenn eure Artikel entsprechend korrigiert werden und ihr Lösungsvorschläge macht, die eine hohe Nutzerfreundlichkeit ermöglichen.

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Die Live-Debatte zu diesem Beitrag wird auf der Bits&Bäume Konferenz an der TU-Berlin stattfinden am Sonntag, 2.10, 12:10–13:40 im Raum „feige“.

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Auf einer Veranstaltung des Gemeinschaftswerk-nachhaltigkeit.de in Freiburg konnte ich heute spontan Merlin (Axel Rutz), Kopf hinter den Stadtwandlern in Freiburg, persönlich kennen lernen und konnte mich kurz zu den Lizenzen austauschen. Die Forderung, auf freie Creative-Commons Schnittstellen zu verzichten, stellen die Stadtwandler genauso an das Gemeinschaftswerk-Nachhaltigkeit wie an die Karte von morgen.

Dabei stellt Merlin klar, dass er auch kein Konzept hat, wie OdBL-Daten (jeder darf alles verändern, solange er es unter der gleichen Lizenz wieder veröffentlicht) und Non-Derivative-Lizensierte Daten (man darf die daten zwar Anzeigen, aber nicht verändern) grafik in einer Datenbank gemischt bzw. unter einer Schnittstelle verfügbar gemacht werden können.

Die Stadtwandler-Vision von Daten, die nur von Redakteuren einer einzigen Quell-Plattform korrigiert werden dürfen, bedeutet also, dass in allen 300 Landkreisen in Deutschland eine eigene Plattform entstehen muss. Und überregionale Akteure wie der Bioland e.V. oder der Weltladen-Dachverband auch auf allen 300 Plattformen ein Account braucht, um die eigenen Daten zu pfelegen, bzw. Änderungswünsche stets per Mail kommunizieren müsste. Ein Wahnsinns Aufwand wenn man bedenkt, dass es auch lokal immer mehrere Karten geben wird, auf der dann alle Änderungen X-fach gemacht werden müsste. Selbst wenn man die Daten lokal an irgendwen verkaufen könnte, würde das in meinen Augen niemals den Zusatzaufwand der manuellen Mehrfachbearbeitung rechtfertigen. Nach den Ethical Source Principles entspräche das auch nicht Creative commons, denn die definieren das so: „We grant permission to modify, create derivative works, use and reuse it, in the spirit of openness and bounded by ethical constraints.“

Laut Merlin muss sich jede Plattform daher entscheiden, ob sie Daten bearbeitbar teilt und damit Teil eines intelligenten Shared-Ecosystems wird, wo die Vorteile der Digitalisierung zum Datenaustausch genutzt werden, oder ob sie sich einem Read-Only Netzwerk anschließen, wo Datensätze an vielen Stellen aktualisiert werden müssen.

Letzteres halte ich weder für Zeitgemäß noch für erfolgsversprechend.

@Helmutvonmorgen Kennst Du / Kennt Ihr die Digital Objects Architecture und FAIR Digital Objects? Mein Eindruck ist, dass Du auf der 1. Internationalen FDO-Konferenz in Leiden sein möchtest (Okt. 26-28, 2022).

Im Bereich der Biodiversitätsdaten haben wir sehr ähnliche Herausforderungen. Weltweit digitalisieren naturwissenschaftliche Sammlungen ihre Belege und senden diese dann per API/IPT an die Global Biodiversity Information Facility, eine multilaterale „intergovernmental organization“ in Kopenhagen, welche die Daten aggregiert und zugänglich macht.

Die Herausforderungen sind

  • Grundlagenforschung sowie das Monitoring-Programm des Post-2020 Global Biodiversity Frameworks der UN Biodiversitätskonvention benötigen das eng geknüpfte Verbinden (dense interlinking) von Daten unterschiedlichster Quellen und Typen. Es ist wichtig diese Links hochaufgelöst (zB. pro Beleg) zu ermöglichen.
  • das System in eine transaktionale Dateninfrastruktur zu überführen, in der einzelne Nutzer:innen Daten eingeben und bearbeiten (updating) können, wobei Informationen zu „attribution“ und „provenance“ einsichtbar sein sollen. Das geht mit dem bisherigen datensatz- und synchronisierungsbasierten System nicht.
  • mit den Daten verbundene Rechte und Regeln müssen transparent dargestellt und umgesetzt werden, damit alle Beitragenden (data providers) und Nutzer:innen selbstbestimmt ihre Daten teilen und so an Entscheidungsfindungen teilnehmen können (siehe Buschbom et al. 2021).

Im letzten Jahr haben sich Biodiversitätswissenschaftler:innen und die Sammlungs-Communities auf globaler Ebene zusammengetan und das „Digital Extended Specimen“-Konzept erarbeitet. Wie eine FDO-basierte kooperative Dateninfrastruktur aussehen kann, ist in diesem Artikel beschrieben (Hardisty et al. 2022).

Für Einblick in die technische Umsetzung siehe DiSSCo, sowie DiSSCo Tech und hier, sie haben gerade eine sehr nette Einführung online gestellt.

Gutes Gelingen bei der Weiterentwicklung der Plattformen zur Nachhaltigkeit!

ms.annie

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Am Sonntag um 12 Uhr findet der Austausch zum Thema Karten, Schnittstellen und Lizenzen auf der Bits&Bäume Konferenz statt:

  • Wer ist dabei?
  • Wer könnte sogar seine Perspektive oder sein Projekt vorstellen?

Würde mich sehr freuen, wenn das eher interaktiv wird…

Lieber @Helmutvonmorgen,

die Sache ist eigentlich ganz einfach: Wir haben ein Anliegen formuliert, das da heißt, wir möchten Lizenzfreiheit für den Datentausch ermöglichen. Das haben wir schon in unserem Letter of Intent beschrieben. Dieser Letter of Intent beruhte auf einer frühen Projektskizze, die deutlich anders aussah als euer fertiger Projektantrag. Den fertigen Projektantrag erhielten wir nur durch Zufall, es wäre also fast der Fall eingetreten, dass unser LoI vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen worden wäre. Daher nahmen wir ihn auch zurück.

Natürlich bezieht sich unsere Kritik auf genau diesen Projektantrag von euch und keineswegs auf „Creative-Commons-Daten“ allgemein. Im Gegenteil: Wenn die Finanzierung gesichert wäre, z.B. durch ein bedingungsloses Grundeinkommen, wäre die Situation vollkommen anders. Auch, wenn es eine öffentliche Finanzierung gibt, dann sollten die Daten auch offen sein. StadtWandler hat jedoch beides nicht.

Unsere Bitte ist, unser Anliegen ernst zu nehmen. Natürlich gibt es keine einfachen Lösungen, auf diese komplexe Fragen. Ich finde es jedoch nicht zielführend von vornherein zu sagen „Wir machen das jetzt so, weil alles andere zu kompliziert ist“. Dafür betrifft euer Unterfangen einfach zu viele andere Akteure.